Rotes Herbstlaub (Foto: sxc.hu)

Die scheue Blase

Erlebt hat es sicher fast jeder: Man(n) steht am Pissoir, beginnt gerade zu entspannen und den Druck zu entlasten, und plötzlich klemmt’s. Das so dringende kleine Geschäft kommt nicht ins Fließen, es hilft kein Gedanke an Wasserfälle oder tropfende Wasserhähne.

Hin und wieder solche Erlebnisse zu haben ist ja nicht tragisch. Wird das Hemmnis, in der Öffentlichkeit zu pinkeln, aber chronisch, dann wird aus der kleinen Peinlichkeit eine Krankheit namens Paruresis. Paruresis ist eine Sozialphobie wie etwa die Angst vor öffentlichen Auftritten oder die krankhafte Sorge, vor allen anderen im Gesicht rot zu werden. Paruretiker entwickeln eine Reihe von Ausweichmanövern gegen ihre Ängste: Weniger trinken, nicht mehr zu längeren Veranstaltungen gehen, bei jedem Lokalbesuch zuallererst nach einer freien WC-Kabine suchen und möglichst noch zu Hause zu urinieren.

Laut einer Studie, die das Paruresis Institut Österreich zitiert, leiden geschätzte zwei bis drei Prozent der Bevölkerung an Paruresis, in der Mehrzahl wie zu erwarten Männer. Aber auch Frauen haben mit Ängsten beim Pinkeln zu kämpfen.

Die verschiedensten Therapieansätze werden gegen Paruresis versucht:

Für die Betroffenen kommt erschwerend hinzu, dass die Belastung oft allein ertragen müssen. Bei Verwandten, Freunden und selbst bei Medizinern vermuten Paruretiker a priori wenig Verständnis und trauen sich daher aus Scham und Peinlichkeit nicht, ihre Probleme anzusprechen. In der Wissenschaft wurde Paruresis erst 1954 als Krankheitsbild erkannt, daher sind die Erkenntnisse über die Auslöser und Behandlungserfolge noch recht dünn gesät.